Die Postkarte von 1929. Oder das werte Fräulein!

Als meine Mama grinste, da wusste ich schon, es gibt was zum lachen. Nun muss ich voran schicken, dass wir vergangenes Wochenende im Haus meiner Großeltern waren, die beide im hohen Alter verstarben. Unser kleines Häuschen selbst wird von meinem Bruder unter der Woche bewohnt.

Wochenends schaut mein Onkel nach dem Rechten. Er fährt ab und an den alten Traktor meines Opas, auf dem ich  als Kind gerne mitfuhr und erledigt kleine Fahrten für die Nachbarschaft.

So weit so gut —. Nun begab es sich also, das wir zwei Mädels, nach dem Rechten sahen. Fenster putzen, Böden wischen, Wäschewaschen und was sonst noch so in einem „Jungessellen Haushalt“ für reizende Tätigkeiten auf einen warten *g*  Wir packten Tatkräftig an. Denn wir lieben unser Haus und Männer haben für solche Tätigkeiten oft keinen Sinn und auch keine Zeit.

Abends dann, nach getanem Tagewerk, saßen wir gemütlich beisammen und kramten in den alten Familienunterlagen.

Dabei fielen uns ein paar schöne alte Schriftstücke in die Hände. Unter anderem auch eine Postkarte, die an meine Oma vor der Ehe mit meinem Opa gerichtet war.

Da hießt es in der Anrede: Wertes Fräulein!

Briefe von 1929

Postkarte von 1929

Ist das nicht schön, wie der Herr einer Dame 1929 den Hof machte? Heute macht er lieber zeitgemäß per SMS Schluss, wie man hört, als  dann seine Liebste als wertes Fräulein zu bezeichnen *g*

Ferner hieß es auf der Postkarte, das die Karte eigenhändig abgegeben werden sollte. Heute heißt es schlicht: persönlich!
Weiter kündigte er seinen Besuch für den Sonntag beim werten Fräulein Karolina an.

Wie sittsam und höflich es 1929 doch noch zu ging.

Ach ja, die alte Zeit *g*

… Und als wir so kramten und lassen, liefen uns viele Tränen die Wangen herunter, so lustig und spannend waren die Erinnerungen an meine Großeltern.

Man darf nicht vergessen, meine Oma ist 1905 geboren und erst 2007 verstorben. Sie kannte also noch den Kaiser und hat es bis ins digitale Zeitalter geschafft. Dazu an einer anderen Stelle mehr….!

Alles in allem hatte ich ein super schönes nostalgisches Wochenende mit meiner Mutter auf dem Lande.

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  1. Lilie schrieb:

    Sehr verehrte Frau Erdbeere,
    bitte erteilen Sie mir heute die Ehre, Ihnen mit allem Respekt und großer Verehrung zu Ihrem durchaus amüsanten Artikel beglückwünschen zu dürfen.
    In der Hoffnung, dass Sie mir die Erlaubnis erteilen, bald wieder bei Ihnen lesen zu dürfen, verbleibe ich hochachtungsvoll
    Ihre Lilie

  2. Sascha schrieb:

    Tja, so hat man sich damals gezeigt, dass man sich mag. Heute zeigen sich Jugendliche ihre „Verbundenheit“ dadurch, dass sie sich nach dem Sex gegenseitig nach ihren Vornamen fragen… so ändern sich die Zeiten 😀

  3. GZi schrieb:

    ich habe auch noch so viele schöne alte Sachen von meiner Großmutter und sogar ihren Eltern. ich lebe ja auch in ihrem Haus und bin darüber sehr glücklich!

  4. Erdbeere schrieb:

    Danke liebe Frau Lili für das Lob *Stolz bin*

    Und sie darf gewähren *g*

    Erdbeere mit ebenso hochachtungsvollem Gruße

  5. Erdbeere schrieb:

    Lach *g*. Die Zeiten habe sich also schlichtweg geändert?!

    Lieben Montagsabend Gruß
    Erdbeere

  6. Erdbeere schrieb:

    Ach schön. Vor allem wenn noch das eine oder andere auf die früheren Bewohner hinweist.

    Bei uns hat sich nicht so viel getan in Sachen Veränderung, Dennoch stellt mein Bruder das eine oder andere im Häuschen um. Meine Mutter und ich haben die alte Ordnung wieder hergestellt 😉

    Ganz liebe abendliche Grüße
    Erdbeere

  7. rundumkiel schrieb:

    Das kann ich gut nachvollziehen – es war bestimmt ein sehr schönes Wochenende. Als ich meiner Tochter kürzlich sagte, sie könne ja mal eine Karte aus dem Urlaub schreiben guckte sie mich völlig entgeistert an und fragte, ob ich denn kein Handy mehr habe? Jedenfalls werden SMS nicht so lange überleben wie die Karten deiner Großeltern…

  8. Erdbeere schrieb:

    Auch schön die SMS-Geschichte. So ist es wohl, man kann den Fortschritt nicht aufhalten.

    Und wie Du schreibst, in diesem kann man später nicht schwelgen. Die Technikfolgenabschätzung werde ich wohl, so wie Du, nur erahnen können *g*

    Lieben montäglichen Abendgruß lieber rundumkiel

  9. Broken Spirits schrieb:

    Das werden unsere Nachkommen in 100 Jahren wohl nicht mehr erleben. Sofern es die Möglichkeit geben sollte, die ganzen Mails dauerhaft zu speichern: wer wird sie behalten wollen? es sei denn die Internetausdrucker. Deren Mails liegen dann wohl in einem Pappkarton.

    Wenn ich es mir überlege: von mir wird wohl gar kein Schriftstück übrigbleiben – und schon gar nicht handschriftlich 😉

    Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal einen Stift für länger als für eine Unterschrift in der Hand hielt…. *grübel*

    Edit: ah, doch- jetzt weiß ich es: vor ziemlich genau einem Jahr. Für eine – man halte sich fest- Postkarte (!!). Die wird wohl Seltenheitswert haben 😉

  10. Erdbeere schrieb:

    Mit ein Grund warum wir bloggen, oder? Ich hoffe doch, das das Web wirklich nichts vergisst und wir alle uns somit darin verewigt haben.

    Außerdem verlege ich meinen Blog in 10 Jahren im Eigenverlagsverfahren, damit ich später auf meine alten Tage was schönes zu lesen habe. Dann wird das Blog-Buch noch vererbt und alles ist geritzt.

    ———————————

    Ob Du es glaubst oder nicht. Im Urlaub schreibe ich immer Karten, MMSen finde ich vom Urlaubsort eher bescheuert *g*

    N8ti Erdbeere

  11. Fulanos Worte schrieb:

    Holde Maid,
    erfreut ob der Inhalte der von Ihnen verfassten Verse zieht es mein Herz immer wieder in ihre mit digitalem Federkiel geschriebenen Tagebücher.

    Klingt zwar schön, ist aber extrem anstrengend zu schreiben 😉
    Gruß
    Fulano

  12. Erdbeere schrieb:

    Oh, welch schöne Kund zur später Stund.

    Es sei ihm gedankt, werter Verfasser dieser zarten Zeilen.

    Mitternächtliche Grüße

  13. Ralf schrieb:

    Hallo und danke für diesen tollen Beitrag- war irgendwie so ein bisschen „Zeitreise“… ja, stimmt- „früher war man höflicher zueinander“. Ob das besser oder angenehmer war, mag jeder für sich entscheiden. „Wertes Fräulein“ hört sich für mich auf jeden Fall angenehmer an als „ey Alder“ oder so… 😉

    In diesem Sinne,
    schönen sonnigen Dienstag wünscht aus dem Ruhrpott,
    Ralf

  14. Sabine schrieb:

    Von der Pferdekutsche zur Mondfahrt 🙂

    was für Veränderunge diese Menschen mitgemacht haben, liebe Erdbeere 😯

    Ich glaub, so gravierend war das für keine Generation … und dann noch zwei Weltkriege …

    Werte Frau Erdbeere … ich wünsche eine angenehme Woche 🙂

    Liebe Grüße vom Fuße der Eifel
    Sabine

  15. Nila schrieb:

    Meine sehr geschätze Frau Erdbeere,
    Mit einem verschämten Lächeln nahm ich zur Kenntnis, dass auch Sie über den damaligen Briefverkehr begeistert sind.
    Auch ich muss unter vorgehaltender Hand (wie es sich für eine Dame von Welt gehört) zugeben, dass ich unheimlich gerne in alten Kisten usw. mein gepudertes Näschen stecke und so schon über den einen oder anderen alten Liebesbrief oder auch Postkarte schmachtend verweilte.
    Seien sie gegrüßt
    Ihre geschätze Blogleserin Nila St.

  16. Padraice schrieb:

    Hach ja, war schon schön damals^^
    Nicht so schrecklich unpersönlich, wie es heute teilweise ist. Davon könnten sich viele Menschen wirklich mal ne Scheibe abschneiden, wobei ich das auch nicht unbedingt so hochgestochen möchte, wie es früher mal war. Das ist dann doch etwas zu viel des Guten, aber mehr Höflichkeit würde vielen Menschen gar nicht schaden.

  17. Erdbeere schrieb:

    Diese Generation, so dann sie in das hohe Alter meiner Oma kamen, haben einiges erlebt. Dennoch ist die Entwicklung noch nie so schnell voran geschritten wie in den letzten Jahren. Ergo werden wir später auch einiges zu berichten haben. In welcher Form auch immer *g*

    Lieben Dienstagabendgruß
    Erdbeere

  18. Erdbeere schrieb:

    Als dann erfreue ich mich an einem ähnlichen Thema in ihrem digitalen Tagebuch?!

    Einen werten Gruß an das Fräulein Blogkollegin *g*

  19. Sabine schrieb:

    … schließlich sind wir ja noch jung :mrgreen:

  20. Erdbeere schrieb:

    jip *g* noch!

  21. Cmdr. b0b schrieb:

    Ist das nicht süss? Ich mag diese alten Umgangsformen. Heute schicken sie sich vor dem ersten Date gegenseitig Fotos Ihrer Genitalien per MSN. Weil man kauft ja nich die Katze im Sack. Früher wusste die Frauen noch, man wartet bis zur Heirat mit dem Sex. Weil der Mann kauft sich keine Kuh, wenn er die Milch gratis bekommt.

    Und Postkarten. Die sind sowieso der Renner. Sieht man ja, wie lange diese Erinnerungen halten. Ne SMS oder ne Mail ist nach kurzer Zeit für immer verschwunden.

    Ich find es toll, daß Ihr sowas noch da habt.

  22. Erdbeere schrieb:

    Die Mischung macht’s, wie so oft im Leben.

    Ein zu strenges Wertesystem ist natürlich nichts, aber wie Du schon sagtest, es stünde so einigen Menschen gut zu Gesicht, wenn sie zumindest Respekt vor ihren Mitmenschen zeigen würden. Daran mangelt es ja leider bei so einigen unserer Art *g*

    Grüße von der Erdbeere, liebe Padraice

  23. Erdbeere schrieb:

    *Lach*

    Schon toll, aber auch grauenvoll, erschreckend, beeindruckend, faszinierend …, wie sich das Rad immer weiter dreht lieber Cmdr. b0b

    Dienstagabendgrüße geflötet und gehaucht von der Erdbeere *g*

  24. Katja schrieb:

    Wertes Fräulein Erdbeere,
    dieser Eintrag vermag es, ein wunderschönes Wochenende
    zu beschreiben 🙂
    Es ist toll, wenn man solche Erinnerungen findet und sich in eine längst vergangene
    Zeit zurück versetzen kann. Ich kann mir gut vorstellen, daß Euch das Stöbern in den alten Sachen Spaß gemacht hat…

    Hochachtungsvoll, Ihr Frl. Frieda 😉

  25. Erdbeere schrieb:

    Wertes Frl.Katja,

    es erfreut mich zu tiefst, ihnen mit meinen Wochenenderlebnissen eine schöne Lesezeit geschenkt zu haben.

    So verabschiede ich mich in die Nacht und wünsche ihnen eine angenehme Bettruhe und ein heiteres Erwachen

    Ihre Erdbeere zum Gruße

  26. Marc schrieb:

    Die Postkarte ging, die Mail kam – und Fräulein ward nicht mehr gesehen!
    Bei sowas muss man definitiv schmunzeln 🙂

  27. Ralf schrieb:

    Was mich auf Grund der Anzahl der Kommentare wundert: habt ihr mal die Briefmarke(n) beachtet? Sind die noch in „Reichsmark“ (kann man leider nicht genau erkennen)? Wäre ja auch mal ein Thema für einen Blogbeitrag, oder…? Ich habe selber mal Briefmarken gesammelt, ist ein wirklich spannendes Thema- besonders die, die in irgend einem Teil der Welt gestempelt sind, den man nicht kennt… Wenn die sprechen könnten, hätte die eine oder andere (Briefmarke) sicher eine Menge zu erzählen…

    Sonnige Grüße und schönen Tag wünscht
    Ralf

  28. Erdbeere schrieb:

    Oh man, ich warte schon die ganze Zeit darauf, dass jemand die Briefmarken anspricht.

    Natürlich in der Hoffnung die da lautet: Hey Erdbeere, ihr habt da echte Schätze drauf kleben. Ihr könnte beruhigt in „Rente gehen“ *g*
    ——————————————————————–
    Reichsmark müsste hinkommen. Werde das gerne noch einmal bei einer der nächsten Besuche im Häuschen, für Dich recherchieren

    Sonnigegrüße
    Erdbeere

  29. Erdbeere schrieb:

    Ja, es ist auch zum Schmunzeln, lieber Mark. Aber auch was zum Träumen und schwelgen in vorangegangen Zeiten, als das Fräulein noch das Fräulein war und der Herr ein echte Gentleman, wenn nicht sogar ein echter Ritter

    In diesem Sinne, moderne Grüße
    von Frau Erdbeere *g*

  30. Ralf schrieb:

    Danke, das ist wirklich lieb von Dir, aber nicht unbedingt nötig- es hat mich halt nur mal interessiert…

    Wie ich schon erwähnte, die Briefmarken haben sicher eine ganz eigene Geschichte…

    Schönen Abend,
    Ralf

  31. Broken Spirits schrieb:

    Was die Briefmarken betrifft: unwahrschienlich, daß Du ausgesorgt hast. Deutsche Reichs-Briefmarken waren zu dem Zeitpunkt, als ich mal sammelte, nicht besonders wertvoll. Gerade den Hindenburg (die rote und wenn ich das richtig erkenne) gab es ziemlich oft. ich hatte den selber mehrmals. Das Wasserzeichen KANN aber entscheidend sein, aber dazu müßtest Du die Postkarte kaputtmachen und meistens ist es dann doch die „wertlose“ Marke 😉

    Das ist aber wie gesagt Uraltwissen…. der Sammlerwert ändert sich ja auch mal 😉

    Aber wenn ich da jetzt Blödfug geschrieben habe, gib mir bitte Bescheid – ich hab meine Briefmarkensammlung noch :mrgreen:

  32. Erdbeere schrieb:

    Ohhhhhhhhhhhhhh, ich zerfließe vor Enttäuschung ;-(

    Ein Versuch war es Wert 🙂

    Abendliche Mittwochsgrüße
    Erdbeere

  33. Marc schrieb:

    C!!!

    😉

  34. Tobias schrieb:

    Alter Schwede, deine Oma ist aber ganz schön alt geworden. 😉
    Früher hat man echt noch Höflichkeit gehabt. Das ist heute ja nicht mehr so, ich merks ja auch selbst. Man schreibt manches einfahc mal so ganz salopp. 🙂

  35. Erdbeere schrieb:

    Stimmt schon, was Du sagt. Man schreibt mal schnell was hin und gut ist.
    Dennoch habe ich mir eine gewisse Höflichkeit und Respekt vor dem Menschen im allgemeinen erhalten.

    Mit ein Grund, warum ich jedem meiner Kommentatoren persönlich antworte und die Antworten nicht in ein, zwei, drei Kommentaren von mir bündele *g*

    Frühsommerliche-Spätnachmittagsgrüße
    Erdbeere

  36. Mamü schrieb:

    Wow, deine Oma ist aber alt geworden, liebe Erdbeere. 🙂

    Ja, früher ging es noch eine ganze Ecke höflicher zu. Da hatte man noch Zeit für Höflichkeit. Heute wird alles so abgekürzt, so zack zack. SMS-Zeitalter. 🙂 Manche schreiben auch die Kommentare in Blogs so abgehackt und fast unhöflich. Ich bin zwar nicht so der ganz altmodische Typ, umständlich muss es nun auch nicht sein 🙂 , aber so ein kleines bisschen Höflichkeit hätte ruhig bis in unsere Zeit überleben können. 🙂

    Liebe Grüße,
    Martina

  37. Erdbeere schrieb:

    Dem ist nichts hinzufügen, liebe Martina!

    Liebe Wochenendgrüße
    Erdbeere

  38. andrea schrieb:

    meine sehr verehrte frau erdbeere (oder fräulein?),

    eine schöne geschichte hast du da ausgegraben. ja, ein bisschen mehr höflichkeit täte in unserer welt gut. ich finde es zum beispiel furchtbar, dass so im internen büro-email-verkehr es echt nicht mehr für nötig gehalten wird, eine anrede zu gebrauchen. unpersönlicher gehts ja wohl nicht mehr …

    hach, die guten alten zeiten. und deine oma ist 102 geworden? wow!

    sonntägliche erdbeergrüße an dich!
    andrea

  39. Erdbeere schrieb:

    Genauer gesagt ist die Oma mit 101 gestorben, aber Du hast Recht Sie befand sich im 102ten Lebensjahr. Wow, hoffe ich werde nicht so alt, 93 Jahre würden mir reichen *g*

    ————–

    In Bezug auf die Anrede, gibt es in dem Laden für den ich arbeite klare Ansagen. Eine Anrede gehört in jede E-Mail. Zu 96% wird sich daran gehalten. Schadet ja auch keinem *g*

    Lieben Vom Nachbar-genervten
    Sonntagsgruß

  40. Paleica schrieb:

    nein wie unglaublich genial ist das denn! schööööön!

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